Marketingmitteilung

Indonesien: Mikrofinanz als Motor für wirtschaftliche Teilhabe von Frauen

Oft als das größte muslimische Land der Welt bezeichnet, erstreckt sich Indonesien über mehr als 17.000 Inseln und zählt fast 290 Millionen Einwohner. Rund 60 Prozent der Bevölkerung leben in städtischen Gebieten, doch die Bevölkerungsverteilung ist ungleichmäßig. Die Insel Java ist dabei das wirtschaftliche Herz des Landes: Dort leben etwa 60 Prozent der Indonesier, und die Insel trägt rund 57 Prozent zum nationalen BIP bei. Entsprechend konzentriert sich auch ein Großteil der Mikrofinanzaktivitäten auf Java. Die Hauptstadt Jakarta mit etwa 42 Millionen Einwohnern wurde im Oktober 2025 von den Vereinten Nationen als bevölkerungsreichste Metropolregion der Welt eingestuft.

Indonesien gehört zu den am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften der Welt: 2025 lag das BIP-Wachstum laut nationaler Statistikbehörde bei 5,1 Prozent – fast 70 Prozent über dem globalen Durchschnitt. Gleichzeitig spielt der informelle Sektor weiterhin eine dominierende Rolle bei der Beschäftigung und machte 2023 nach Zahlen der International Labour Organization etwa 80 Prozent der Erwerbsbevölkerung aus, einer der höchsten Anteile in der Region Südostasien.1

Frauen als treibende Kraft der Wirtschaft

Frauen in Indonesien sind wirtschaftlich aktiv und unternehmerisch engagiert. Mit einer Erwerbsquote von rund 52,6 Prozent liegt das Land innerhalb der ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) im Mittelfeld. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote bei 55,6 Prozent, in Indien bei 32,8 Prozent. Gleichzeitig sind Frauen überproportional in der informellen Wirtschaft tätig, was ihren Zugang zu formalen Krediten, Sozialschutz und Versicherungen einschränkt. Eine Studie der Women’s World Bank zeigt, dass 63,8 Prozent der informellen Arbeitskräfte weiblich sind, viele davon in der Landwirtschaft und in ländlichen Gebieten.

Die Erwerbsquote ist der Anteil der Personen im Alter von 15 Jahren und älter, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, an der jeweiligen Bevölkerung.

Quelle: https://www.theglobaleconomy.com/rankings/female_labor_force_participation/South-East-Asia/

Diese strukturellen Gegebenheiten erklären die anhaltende Bedeutung von Mikrofinanz in Indonesien. Besonders in Vorort- und ländlichen Regionen ermöglicht sie finanzielle Inklusion und stabilisiert Einkommen. Mikrokredite an gemeinschaftlich haftende Frauengruppen versorgen kleine Familienunternehmen mit Kapital – von Kleinbauern über Schneider und Händler bis zu Lebensmittelproduzenten und Straßenverkäufern. Viele weiblich geführte Unternehmen bleiben jedoch sehr klein, häufig Ein-Personen-Betriebe. Wenn Unternehmen größer werden, übernehmen traditionell Männer die Managementkontrolle – ein Muster, das soziale Normen und Familienstrukturen widerspiegelt. Dennoch stärken Frauen in Kleinstunternehmen entscheidend die Widerstandsfähigkeit der Haushalte und verbessern das Familienwohl.

Vielfalt im Mikrofinanzmarkt

Der indonesische Mikrofinanzmarkt ist vielfältig: Er reicht von Basisgenossenschaften über Risikokapitalgesellschaften bis hin zu staatlich geförderten Programmen wie Mekaar – derzeit der größte Mikrofinanzkreditgeber – sowie zu Fintech-Unternehmen, die schnellen Kreditzugang für jüngere, städtische Kunden bieten.

Traditionelle Mikrokreditgeber, reguliert von der Financial Services Authority (OJK), fokussieren sich auf Frauen mit solider Haftung in ländlichen und halbstädtischen Gebieten. Diese Kundinnen sind meist über 40 Jahre alt, digital weniger versiert und stark in ihren lokalen Gemeinschaften verankert – ideale Voraussetzungen für das Gruppenkreditprinzip. Die Darlehensbeträge sind in der Regel auf mehrere hundert Euro begrenzt, die Darlehenslaufzeiten sind kurz, und Kunden mit starker Rückzahlungsbilanz qualifizieren sich für zunehmend größere Darlehen in den folgenden Zyklen.

Neben diesen Institutionen haben Genossenschaften mit regionaler und nationaler Reichweite historisch eine bedeutende Rolle im Mikrofinanzbereich gespielt, obwohl sie unter einem anderen regulatorischen Rahmen arbeiten. Bemerkenswert ist, dass sich viele Genossenschaften auf etwas größere Einzelkredite konzentrieren, bei denen ein klarer Zusammenhang zwischen Darlehensgröße und Geschlecht festgestellt werden kann – je größer das Darlehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es an einen männlichen Kreditnehmer ausgezahlt wird.

Innovation und Regulierung

Gleichzeitig führen neue Marktteilnehmer alternative Kreditmodelle ein und stellen die Position traditioneller Kreditgeber infrage. Gerade Fintech-Unternehmen haben sich in den letzten Jahren vermehrt und konkurrieren darum, jüngere städtische Kunden mit ihren Kreditmodellen anzuziehen. Einige prominente Fintech-Anbieter haben gruppenbasierte Mikrokredite als Kerngeschäftsmodell übernommen, das durch digitale Prozesse neu gedacht wurde. Viele andere ziehen Kunden durch leicht zugängliche Verbraucherfinanzierungslösungen wie „Jetzt kaufen, später bezahlen“-Produkte an. Obwohl diese Innovationen wesentlich zur finanziellen Inklusion beitragen, bringen sie auch Risiken mit sich – insbesondere das Risiko einer Überschuldung. Dies unterstreicht die Bedeutung umfassender und zuverlässiger Kreditauskunfteien, regulatorischer Ausrichtung zwischen Marktteilnehmern und der fortgesetzten Förderung der Finanzkompetenz.

Die Regulierung hat sich in Indonesien zwar kontinuierlich verbessert, doch unterliegen die verschiedenen Marktteilnehmer weiterhin unterschiedlichen Aufsichtsregimen. So sind beispielsweise Genossenschaften, die nicht von der Financial Services Authority (OJK) reguliert werden, nach wie vor von der Pflicht zur Meldung an die Kreditauskunftei ausgenommen. Diese Lücke wird teilweise durch freiwillige Meldungen einzelner Genossenschaften ausgeglichen. Parallel dazu haben Bemühungen, Fintech-Unternehmen und Mehrzweckfinanzierungsinstitute in den regulatorischen Rahmen der OJK einzubinden, bereits erste positive Ergebnisse gezeigt: Die Meldung digitaler und konsumentenorientierter Kredite an die Auskunftei ist inzwischen verpflichtend. Zudem laufen vielversprechende Initiativen, um auch staatlich geförderte Mikrofinanzanbieter in die Berichterstattung einzubeziehen und damit eine langjährige Transparenzlücke im Markt zu schließen.

Mikrofinanz bleibt unverzichtbar

Mit einer jungen Bevölkerung, weitläufigen ländlichen Gebieten, einer großen Zahl von Mikro- und Kleinunternehmen sowie einem dominanten informellen Sektor ist Indonesien ein Land, in dem Mikrofinanz weiterhin entscheidend für wirtschaftliche Entwicklung sein kann. Der Unternehmergeist und die vielfältige Finanzlandschaft bilden eine solide Basis für inklusives Wachstum. Kontinuierliche Fortschritte in Finanzkompetenz und Regulierung sind notwendig, doch Investitionen in verantwortungsvolle Mikrofinanzinstitutionen tragen nachhaltig zur Entwicklung des Landes bei.

 

 

Quellen: 1 https://ilostat.ilo.org/data/snapshots/informal-employment-rate/

Rechtliche Hinweise

Die enthaltenen Informationen stellen keine Anlageempfehlung oder sonstigen Rat dar. Die hier dargestellte Meinung ist die von Invest in Visions. Diese Meinung kann sich jederzeit ändern. Obwohl große Sorgfalt darauf verwendet wurde, um sicherzustellen, dass die in diesem Dokument enthaltenen Informationen korrekt sind, kann keine Verantwortung für Fehler oder Auslassungen irgendwelcher Art übernommen werden, wie für alle Arten von Handlungen, die auf diesen basieren. Herausgeber ist die Invest in Visions GmbH mit Sitz in der Freiherr-vom-Stein-Str. 24-26, 60323 Frankfurt am Main.

Jeder kann von seinem Bürostuhl aus Monitoring betreiben. Wir schauen genauer hin. Um eine hohe Transparenz zu gewährleisten, ist eine enge Zusammenarbeit mit unseren Geschäftspartnern wichtig. Mit Hilfe unseres Partners Incofin und insbesondere dessen Team in Phnom Penh, stattete unsere Portfolio Managerin Camellia Genova drei Mikrofinanzinstituten (MFIs) in Kambodscha sowie einigen derer Mikrokreditnehmer:innen einen Besuch ab.

Wir unterstützen die finanzielle Eingliederung in Kambodscha schon seit Jahren, und im April hatte ich nach zwei Jahren Online-Meetings endlich die Gelegenheit, unsere Kunden wieder persönlich zu treffen. Einige der wichtigsten besprochenen Themen waren die Bemühungen, den Kundenschutz zu verbessern und Überschuldung zu verhindern. Außerdem traf ich einige Endkreditnehmer:innen und Kleinunternehmer:innen, die ihre Unternehmen mit Mikrokrediten finanziert haben. Diese Exkursionen erwiesen sich als sehr wertvolle Erfahrung. Sie ermöglichten aus erster Hand Eindrücke von den Endkunden, ihren Geschäftsmodellen, ihren Zielen und den Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen, zu gewinnen.

Camellia Genova, CFA Senior Portfolio Manager

Dank der Reise können wir Ihnen einen detaillierteren Überblick über die wirtschaftliche Lage und allgemeine Situation in Kambodscha nach dem Höhepunkt der Pandemie geben.

Das Land hatte erst wenige Wochen vor meinem Besuch seine Tore geöffnet. Ich habe gesehen, dass erste ausländische Touristen wieder ins Land kamen, aber z. B. chinesische Touristen, die vor COVID die größte Gruppe waren, fehlten noch völlig. Die Pandemie hat vor allem im Tourismus, im Verkehrswesen und im Gastgewerbe seinen Tribut gefordert, während einige andere Sektoren wie die Landwirtschaft und die Infrastruktur noch gut abgeschnitten haben. Während der strengsten Abriegelungen wurden fast alle Unternehmen geschlossen, darunter beispielsweise auch die Textilindustrie, in denen rund eine Million Menschen in Kambodscha beschäftigt sind. Dadurch blieben viele einkommenslos und mussten sich entweder nach einer alternativen Beschäftigung umsehen, in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft tätig werden oder sich auf die Unterstützung durch andere Familienmitglieder verlassen. Außerdem nutzten viele Kreditnehmer:innen die von den MFIs in Kambodscha angebotenen Umstrukturierungsmöglichkeiten. Auf dem Höhepunkt der Pandemie wurden fast 20 % des ausstehenden Kreditportfolios umstrukturiert. Wir sehen, dass diese Zahl allmählich auf weniger als 5 % gesunken ist, da die Wirtschaftstätigkeit wieder aufgenommen wurde und die Menschen wieder zu reisen beginnen. Um in der Lage zu sein, eine solche Erleichterung zu bieten, benötigten die MFIs ihrerseits auch die Unterstützung ihrer Kreditgeber. Während der COVID-Krise haben wir unseren Investitionspartnern weiterhin Liquidität zur Verfügung gestellt. Dabei sind wir nicht von unserer Strategie abgewichen, ausschließlich in Institute zu investieren, die sowohl über eine solide Finanzlage als auch über sehr hohe Kundenschutzstandards verfügen.

Camellia Genova, CFA Senior Portfolio Manager

Kambodscha ist ein Land der Kleinst- und Kleinunternehmer:innen und Bauern. Kleinstunternehmer:innen sind in der Regel in der Lebensmittelverarbeitung, im Transportwesen und in kleinen Dienstleistungsbetrieben tätig.

Eine der Herausforderungen, vor denen sie stehen, ist der Zugang zu Betriebskapital. Obwohl der Zugang zu Finanzdienstleistungen in den letzten Jahren rapide zugenommen hat, ist die Bereitstellung von Finanzmitteln für diese Unternehmen weiterhin sehr wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Eine andere Herausforderung ist die Finanzkompetenz, die für den Umgang mit Finanzprodukten erforderlich ist. Die Formalisierung des Mikrofinanzmarktes in Kambodscha hat zwar zu einem besseren Kundenschutz und niedrigeren Zinssätzen geführt, doch andererseits könnten sich manche Kunden von der Vielfalt der Angebote, die ihnen von den Kreditsachbearbeitern aktiv unterbreitet werden, überfordert fühlen. Für Kleinunternehmer und Haushalte könnte es eine Herausforderung sein, die tatsächlichen Kosten der von den Finanzinstituten bereitgestellten Mittel zu verstehen und realistische finanzielle Einschätzungen vorzunehmen. Daher sind Transparenz und ein höherer Kenntnisstand der Kunden von entscheidender Bedeutung. Ersteres hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert, und es hat Kampagnen zur Verbesserung der finanziellen Allgemeinbildung gegeben. Dennoch sehen wir Luft nach oben.

Camellia Genova, CFA Senior Portfolio Manager

Darüber hinaus führte unsere Portfoliomanagerin Gespräche mit einigen Regulierungsbehörden wie der Zentralbank von Kambodscha, dem kambodschanischen Mikrofinanzverband und dem Kreditbüro. Der kambodschanische Kreditmarkt hat in den letzten zehn Jahren eine rasante Entwicklung durchlaufen und ist heute sowohl in Bezug auf die Marktinfrastruktur als auch auf die Vorschriften ausgereifter.

Die Vorschriften wurden kontinuierlich verbessert, um der Expansion des Finanzsektors gerecht zu werden. Wir stellen fest, dass der regulatorische Rahmen in Kambodscha zu den am besten etablierten Ländern in unserem Portfolio gehört. Mit einem gut funktionierenden Kreditbüro, einer Zinsobergrenze, einem branchenweiten Verhaltenskodex und Kreditvergaberichtlinien, die von allen Mikrokreditanbietern übernommen wurden, ist erkennbar , dass viel unternommen worden ist um zum einen die rasche Expansion der Finanzdienstleistungen zu regulieren und eine gute Kreditvergabepraktik zu fördern und zum anderen um eine ethische Behandlung der Kreditnehmer:innen sicherzustellen. Dennoch sind wir uns darüber im Klaren, dass noch einige Herausforderungen bestehen. Die Ausweitung der Finanzdienstleistungen fördert zwar die finanzielle Eingliederung unterversorgter Bevölkerungsgruppen, birgt aber auch die Gefahr der Überschuldung, wenn sie nicht richtig gesteuert wird. Aktuell sind nur weniger als 2 % aller Kunden in Kambodscha mehr als 30 Tage im Zahlungsverzug, was im Vergleich zu anderen Ländern eine sehr niedrige Zahl ist. Dennoch verdient diese Gruppe besondere Aufmerksamkeit, um sicherzustellen, dass sie verantwortungsvoll behandelt und nicht ihrer Lebensgrundlage beraubt wird. Die Besorgnis über die Überschuldung besteht schon seit geraumer Zeit. Das Gesamtniveau der Verschuldung des Privatsektors in Kambodscha scheint für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen relativ hoch zu sein und ist eher mit dem von Ländern mit hohem Einkommen vergleichbar. Im Vergleich zu den Nachbarländern Vietnam und Thailand, zum Beispiel, ist es aber immer noch niedriger. Eine Erklärung für dieses Phänomen könnte in der sehr gut entwickelten Finanzinfrastruktur zu finden sein, die mit den westlichen Ländern vergleichbar und in mancher Hinsicht sogar besser ist – so sind beispielsweise mobile Zahlungen (Mobile Payment1) in dieser Region viel weiter verbreitet als in Europa. Trotz der bekannten Risiken der Überschuldung sehen wir einige wichtige Faktoren, die diese abschwächen. Zum Beispiel ist der Großteil der von MFIs bereitgestellten Mittel für einkommensschaffende Maßnahmen und nicht für den Konsum bestimmt. Wir beobachten den Markt und insbesondere unsere Investitionsempfänger genau. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Investitionsempfänger (MFIs) von vornherein über ein sehr solides Verfahren zur Kreditwürdigkeitsprüfung anwenden, was der Schlüssel zur Vermeidung von Überschuldung ist.

Camellia Genova, CFA Senior Portfolio Manager

Als Impact-Investor ist es für uns sehr wichtig, sicherzustellen, dass es keine systematischen Probleme im Verhalten der Kreditsachbearbeiter: innen, bei der Kreditvergabe und im Inkassoprozess gibt und jegliche Anzeichen von etwaigen Fehlverhalten ordnungsgemäß untersucht werden. Wir sind uns bewusst, dass umfassendere Erhebungen erforderlich sind, um besser zu verstehen, wie die Kreditnehmer:innen die Mikrokreditvergabe erleben und um die Auswirkungen der Mikrofinanzierung auf ihre Lebensqualität besser beurteilen zu können. Hier ist zu erwarten, dass die Verfügbarkeit von zeitnahen, aggregierten Daten auch die Transparenz des Finanzsektors in Kambodscha weiter erhöhen wird.

 

1 Mobile Payment (auch M-Payment) ist eine elektronische Zahlungsform unter Verwendung von mobilen Endgeräten. Dabei werden mobile elektronische Techniken zur Initiierung, Autorisierung oder Realisierung der Zahlung eingesetzt.