Wirkungsorientiertes Investieren

Mikrokredite können das Leben von vielen Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern verbessern, denen der Zugang zu Finanzmitteln anderweitig verwehrt bleiben würde. Anleger:innen eines Mikrofinanzfonds erhalten grundsätzlich eine stetige finanzielle Rendite und können sich gleichzeitig durch ihre Investition sozial engagieren.

Die Investitionen des IIV Mikrofinanzfonds haben das Ziel, nachhaltige Wirkung zu entfalten. Mit unseren Investitionen im Bereich der finanziellen Inklusion möchten wir zur Verwirklichung von mindestens vier bestimmten Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (SDGs) der insgesamt 17 beitragen. Ein direkter Wirkungskanal unserer Investitionen ist die Refinanzierung von Mikrofinanzinstituten (MFI) in Entwicklungs- und Schwellenländern durch den Erwerb von unverbrieften Darlehensforderungen. Dadurch wird Menschen in diesen Ländern der Zugang zu Finanzdienstleistungen gewährt. Zusätzliche indirekte Wirkungskanäle sind die Ermöglichung der Umsetzung von Geschäftsideen und damit größere Unabhängigkeit, sowie die Förderung von Frauen und Unternehmertum.

Auswahl der Sozialindikatoren

Für jedes der vier SDGs haben wir Indikatoren gewählt, um den Umfang der sozialen Reichweite zu messen. Diese Indikatoren entsprechen dem aktuellen Marktstandard im Bereich Mikrofinanz.

SDG 1: Armut in jeder Form und überall beenden

Mikrokredite und andere Finanzdienstleistungen fördern z.B. Tätigkeiten zur Einkommensgenerierung oder unterstützen weniger wohlhabende Menschen dabei, finanzielle Engpässe zu überstehen. Als Indikatoren für unseren Beitrag zu diesem SDG haben wir folgende Messgrößen gewählt:

Durchschnittliche ausstehende Kreditsumme pro Endkreditnehmer:in
Anteil der Kreditvergabe in ländlichen Gegenden

SDG 5: Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen

Die Vergabe von Kleinkrediten an Frauen in Entwicklungs- und Schwellenländern trägt dazu bei, deren wirtschaftliche Lage und Status zu verbessern und ihnen dadurch auch in anderen Lebensbereichen mehr Selbstbestimmung zu ermöglichen. Durch die Refinanzierung von MFI, in denen Frauen einen ausgewogenen Anteil in der Belegschaft ausmachen, fördern wir auch deren Einkommensgenerierung. Für unseren Beitrag zu diesem SDG haben wir folgende Indikatoren gewählt:

Geschlechterverteilung auf Endkreditnehmer:innen-Ebene (Portfolio- und Pro-Kopf-Anteil)
Geschlechterverteilung bei Mitarbeiter:innen auf Ebene der MFI

SDG 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

Dies beinhaltet die Förderung des Wachstums von Kleinst-, kleinen und mittelständischen Unternehmen durch die Bereitstellung von Darlehen und weiteren Finanzdienstleistungen. Für unseren Beitrag zu diesem SDG haben wir folgende Indikatoren gewählt:

Anzahl der erreichten Kreditnehmer:innen
Art der unterstützten Aktivitäten nach Sektor
Volumen der ausstehenden Kredite

SDG 10: Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern

Wir refinanzieren insbesondere MFI in Ländern, die wirtschaftlich weniger stark sind als die Industrienationen. Als Indikator haben wir den Anteil der erworbenen Darlehensforderungen in einkommensschwachen Ländern gewählt.

Die Sozialindikatoren werden vierteljährlich berechnet und zeigen auf, wo Ihr Investment ankommt und Wirkung erzielen kann.

Werden einkommensschwache Menschen erreicht?

Die Anzahl der geförderten Kreditnehmer:innen zeigt die Breite unserer sozialen Reichweite auf. Die durchschnittlich ausstehende Kreditsumme gibt jedoch Auskunft über ihre Tiefe. Das heißt, dass sie eine Aussage darüber zulässt, wie einkommensschwach die Menschen sind, die wir mit unseren Investitionen erreichen. Man kann davon ausgehen: Je niedriger die Kreditsummen, desto geringer ist wahrscheinlich auch das Einkommen der Darlehensnehmer:innen.

Wie oft und wie genau werden die Sozialindikatoren berechnet?

Die zuvor genannten Kernindikatoren werden vierteljährlich berechnet. In diesen Abständen erhalten wir die Sozialindikatoren von den MFI, in deren Darlehensforderungen der Fonds investiert. Dies erfolgt über ein im Bereich Mikrofinanz standardisiertes Factsheet.[1] Wir führen die Daten zusammen und berechnen dabei gewichtete Werte, sodass das Gewicht des jeweiligen Darlehens im Gesamtportfolio des Fonds korrekt widergespiegelt wird.

Zum einen werden die Indikatoren nach dem Anteil des jeweiligen MFI am Portfolio des IIV Mikrofinanzfonds gewichtet. Zum anderen wird das vom IIV Mikrofinanzfonds erworbene Darlehen am Bruttokreditportfolio der MFI gemessen und entsprechend gewichtet. Dies ist ein realistischer Ansatz für die Einschätzung der sozialen Reichweite bzw. Wirkung des IIV Mikrofinanzfonds.

Dies bedeutet beispielsweise:

Wenn eine Darlehensforderung gegen ein Mikrofinanzinstitut 1,3 Prozent des Portfolios des IIV Mikrofinanzfonds darstellt, wird das Geschlechterverhältnis dieses MFI auch nur zu 1,3 Prozent in die Gesamtberechnung für den IIV Mikrofinanzfonds einbezogen.

Die Anzahl der über den IIV Mikrofinanzfonds erreichten Endkreditnehmer:innen wird wiederum von dem Anteil abgeleitet, den der Fonds über die erworbenen Darlehen zum Bruttokreditportfolio des jeweiligen MFI beisteuert. Wenn eine Darlehensforderung gegen ein Mikrofinanzinstitut beispielsweise ein Prozent des Bruttokreditportfolios des MFI beträgt, finanziert das Portfolio des IIV Mikrofinanzfonds die Endkreditnehmer:innen auch zu ein Prozent mit. Das heißt, wenn das MFI insgesamt 2 Millionen Kreditnehmer:innen hat, so erreicht der Fonds indirekt 20.000 Endkreditnehmer:innen.

Die durchschnittlich ausstehende Kreditsumme berechnet sich aus der Höhe des Bruttokreditportfolios des MFI geteilt durch die Anzahl der Kreditnehmer:innen des MFI. Auch dieser Wert wird dann nach dem Anteil des jeweiligen MFI am Portfolio des IIV Mikrofinanzfonds gewichtet.

Weiterentwicklung der Sozialindikatoren

Invest in Visions stellt derzeit die soziale Reichweite der Investitionen in verschiedenen Publikationen dar. Dazu gehören insbesondere die monatlichen Factsheets und der jährlich erscheinende Impact Report. Nach dem Wirkungsmodell mit drei Ebenen (Output, Outcome, Impact) [2] liegt der Schwerpunkt der Kernindikatoren zur Wirkungsmessung beim IIV Mikrofinanzfonds derzeit auf der Output-Ebene. Die Output-Ebene sagt aus, dass die Zielgruppen erreicht werden und diese die Angebote akzeptieren. Durch die Erhebung weiterer Indikatoren wie beispielsweise die Veränderung des Geschäftseinkommens oder der Anteil der Kreditnehmer:innen aus einkommensschwachen Haushalten möchten wir künftig eine Aussage darüber treffen, ob bei der Zielgruppe eine Veränderung ihrer Fähigkeiten und ihrer Lebenslage stattgefunden hat.

[1] Das Factsheet wurde von der Organisation Microfact entwickelt.

[2] https://www.wirkung-lernen.de/wirkung-planen/wirkungslogik/bestandteile/

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Neun Grundsätze, die einen hilfreichen Rahmen bieten

Impact Investments haben ein enormes Potenzial, einen Beitrag zur Bewältigung der größten Herausforderungen unserer Zeit zu leisten, wie der Beseitigung ökonomischer Ungerechtigkeiten, dem Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene, der Produktivität der Landwirtschaft und dem Schutz natürlicher Ressourcen. Neben einer finanziellen Rendite sollen auch messbare positive soziale, wirtschaftliche oder ökologische Effekte erzielt werden. Doch es gibt eine Herausforderung: Wie kann die tatsächliche Wirkung zuverlässig und vergleichbar gemessen werden? Wie findet man eine einheitliche, allgemein anerkannte Herangehensweise?

Die Operating Principles of Impact Management, kurz OPIM, sollen diesen allgemein anerkannten Standard im Bereich Impact Investing etablieren. Sie wurden 2019 auf der Frühjahrstagung der Weltbankgruppe von der International Finance Corporation (IFC) eingeführt. Um die positiven Effekte eines Investments auf Umwelt und Gesellschaft zu gewährleisten und zu messen, müssen alle Phasen des Anlageprozesses analysiert werden: die Erstellung der Investitionsstrategie, die Identifizierung und Strukturierung von Investitionen, das Portfoliomanagement und der Exit.

Invest in Visions zählt seit März 2021 zu den Unterzeichnern der OPIM. Ein Jahr später wurde nun ihre erste Erklärung veröffentlicht, in der dargestellt wird, wie die Prinzipien im Investitionsprozess verankert sind. Derzeit befindet sich Invest in Visions im externen Überprüfungsprozess dieser Erklärung.

Für Ariane Schoen, Senior Impact Manager bei Invest in Visions, spielt vor allem der letzte Punkt eine entscheidende Rolle: „Gerade die externe Überprüfung ist eine wichtige Komponente, denn sie vermag Schwächen im Investmentprozess aufzuzeigen. Das hilft der Impact-Branche und uns als Finanzdienstleister dabei noch besser zu werden. Nicht zu unterschätzen ist auch der konstruktive Austausch mit anderen Fondsanbietern zur Weiterentwicklung der Prozesse und Praktiken.”

Einheitlicher Standard soll Impact Washing beenden

Die Prinzipien basieren auf den sich stetig weiterentwickelnden bewährten Verfahren (Englisch: best practices) von Impact Investoren und werden bei Bedarf überarbeitet. Sie sollen Investor:innen helfen, Anlagen zu finden, die nach international anerkannten Impact-Kriterien verwaltet werden. Weltweit haben sich diesen Prinzipien bereits rund 170 Impact-Investoren aus 39 Ländern verschrieben, darunter Asset Manager, Vermögensverwalter, multilaterale Entwicklungsbanken und Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen.

Ariane Schoen erklärt: „Für uns war die Unterzeichnung der OPIM ein konsequenter Schritt, um einen international einheitlichen Standard zu unterstützen, der hoffentlich dabei hilft, die Debatte über echtes Impact Investing zu schärfen und Impact-Washing entgegenzuwirken.“

Neun Grundsätze, um Transparenz zu schaffen und Wirkung darstellbar zu machen

Die OPIM definieren einen End-to-End-Prozess: Strategie, Strukturierung, Portfolio-Management, Exit und eine unabhängige Verifizierung. Diese fünf Kernelemente sind wiederum in neun Grundsätze gegliedert.

1. Strategische Wirkungsziele definieren, die mit der Investitionsstrategie in Einklang stehen.
Der Manager definiert die angestrebten strategischen Wirkungsziele für das Portfolio bzw. den Fonds, mit denen sich messbare positive Auswirkungen auf die Gesellschaft oder die Umwelt erzielen lassen und die im Einklang mit den Sustainable Development Goals (SDGs) oder anderen allgemein anerkannten Zielen stehen. Dabei müssen die vom Manager angestrebten Wirkungsziele nicht zwangsläufig auch vom Beteiligungsnehmer bzw. Investitionsempfänger verfolgt werden. Der Manager muss sicherstellen, dass Wirkungsziele und Investitionsstrategie aufeinander abgestimmt sind; dass die Investitionsstrategie mit ausreichender Wahrscheinlichkeit zum Erreichen der Wirkungsziele führt und dass der Umfang und/oder die Intensität der angestrebten Wirkung der Größe des Investitionsportfolios angemessen ist.

2. Steuerung der strategischen Wirkungen auf Portfoliobasis.
Der Manager muss über einen Prozess zur Steuerung der strategischen Wirkungen auf Portfoliobasis verfügen. Ziel des Prozesses ist die Bestimmung und Überwachung der Wirkungsperformance des gesamten Portfolios. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Wirkung der einzelnen Investitionen im Portfolio unterschiedlich ausfallen kann. Der Manager muss im Rahmen des Prozesses berücksichtigen, inwiefern Leistungsanreize für die Mitarbeiter neben der finanziellen Performance auch auf das Erreichen der Wirkungsziele ausgerichtet werden sollten.

3. Den Beitrag des Managers zur Erreichung der Wirkung nachweisen.
Der Manager muss seinen Beitrag zum Erzielen der angestrebten Wirkung für die einzelnen Investitionen bestimmen können und diese dokumentieren. Beiträge können durch einen oder mehrere finanzielle oder nicht-finanzielle Wege erfolgen[1]. Die Dokumentation muss begriflich klar gehalten sein und möglichst umfassende Belege enthalten.

4. Die erwartete Wirkung jeder Investition basierend auf einem systematischen Ansatz bewerten.
Der Manager muss für jede Investition vorab deren konkretes positives Wirkpotenzial[2] bestimmen und, wenn möglich, quantifizieren. Dieser Bestimmung muss ein geeignetes Rahmenwerk für die Messung der Ergebnisse zugrunde liegen, mit dem sich die folgenden entscheidenden Fragen beantworten lassen:

Was ist die angestrebte Wirkung?
Wen betrifft die angestrebte Wirkung?
Wie signifikant ist die angestrebte Wirkung?[3]
Zusätzlich muss der Manager die Wahrscheinlichkeit bestimmen, mit der das angestrebte Ziel erreicht wird. Bei der Bestimmung der Wahrscheinlichkeit ermittelt der Manager signifikante Risikofaktoren, die dazu führen können, dass die erreichte Wirkung von den Voraberwartungen abweicht.

Das Wirkungspotenzial muss dabei vom Manager in evidenzbasierter Form an den jeweiligen regionalen Herausforderungen kontextualisiert und bewertet werden. Außerdem muss der Manager Opportunitäten zur Erhöhung der Wirkung der Investition abwägen. Wenn möglich, und wo mit Blick auf die Investitionsstrategie relevant, kann der Manager auch indirekte und systemische Wirkungen in Betracht ziehen. Die Indikatoren müssen so weit wie möglich Branchenstandards[4] und Best Practices[5] entsprechen.

5. Einschätzung, Behebung, Überwachung und Steuerung potenzieller negativer Wirkungen der einzelnen Investitionen.
Der Manager muss für jede Investition im Rahmen eines systematischen und dokumentierten Prozesses ESG-Risiken (Environmental, Social and Governance)[6] identifizieren und vermeiden bzw., wenn eine Vermeidung nicht möglich ist, eingrenzen und kontrollieren. Wo angemessen, muss der Manager gemeinsam mit dem Beteiligungsnehmer bzw. Investitionsempfänger mögliche Lücken in den Systemen, Prozessen und Standards des Investitionsempfängers beseitigen und hierbei einem Ansatz folgen, der sich an internationalen branchenüblichen Verfahren orientiert.[7] Im Rahmen des Portfolio-Managements muss der Manager die ESG-Risiken der Investitionsempfänger im Blick behalten und ggf. in Zusammenarbeit mit diesen Lücken schließen und auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren.

6. Den Fortschritt jeder Investition bei der Erzielung von Wirkungen im Vergleich zu den Erwartungen überwachen und entsprechend reagieren.
Der Manager muss den Bewertungsrahmen für die Ergebnismessung (auf den in Prinzip 4 verwiesen wird) verwenden, um den Fortschritt bei der Erreichung positiver Wirkungen im Vergleich zu den erwarteten Wirkungen für jede Investition zu überwachen. Der Fortschritt wird anhand eines vordefinierten Prozesses für den Austausch von Leistungsdaten mit dem Beteiligungsnehmer bzw. Investitionsempfänger überwacht.

Darin wird so weit wie möglich Folgendes dargelegt: wie oft Daten erhoben werden, die Methode der Datenerhebung, die Datenquellen, die Verantwortlichkeiten für die Datenerhebung und wie und an wen die Daten gemeldet werden. Wenn die Überwachung darauf hinweist, dass die Investition voraussichtlich nicht mehr die beabsichtigten Wirkungen erreichen wird, muss der Manager versuchen, geeignete Maßnahmen[8] zu ergreifen. Der Manager soll außerdem den Bewertungsrahmen für die Ergebnismessung dafür nutzen, die Outcomes[9] der Investition zu erfassen.

7. Durchführung von Exits unter Beachtung des Effekts auf die langfristige Wirkung.
Bei der Durchführung eines Exits[10] muss der Manager nach Treu und Glauben und unter Einhaltung seiner treuhänderischen Pflichten den Effekt von Zeitpunkt, Struktur und Verfahren des Exits auf die Nachhaltigkeit der Wirkungen berücksichtigen.

8. Entscheidungen und Prozesse auf der Grundlage der erreichten Wirkungen und der gewonnenen Erkenntnisse überprüfen, dokumentieren und verbessern.
Der Manager muss die Wirkungsperformance der einzelnen Investitionen überprüfen und dokumentieren, die erwartete und die tatsächliche Wirkung, sowie andere positive und negative Wirkungen vergleichen und die Ergebnisse zur Optimierung operationeller und strategischer Investitionsentscheidungen sowie von Managementprozessen verwenden.

9. Öffentliche Bekanntmachung der Einhaltung der Grundsätze und Gewährleistung einer regelmäßigen unabhängigen Prüfung[11] der Einhaltung.
Der Manager muss jährlich die Übereinstimmung seines Impact-Management-Systems mit den Grundsätzen offenlegen und die Einhaltung regelmäßig von unabhängiger Stelle prüfen lassen. Auch die Ergebnisse des Prüfberichts sind zu veröffentlichen. Diese Offenlegungen unterliegen treuhänderischen und regulatorischen Vorgaben.

OPIM stärkt Vertrauen und hilft Impact Washing vorzubeugen

Die Operating Principles of Impact Management sind in den Augen von Invest in Visions ein weiterer wichtiger Schritt, um Impact Investing stärker zu etablieren und private Finanzströme dorthin zu lenken, wo sie dringend benötigt werden. Je mehr Marktteilnehmer:innen die OPIM unterschreiben, desto allgemeingültiger werden die Regeln und eine anerkannte Messbarkeit wird erzielt. Das wiederum stärkt das Vertrauen der Investor:innen und hilft Impact Washing vorzubeugen.

Quellen:

[1] Beispiele für mögliche Bereiche: Optimierung der Kapitalkosten, aktives Shareholder-Engagement, spezifische finanzielle Strukturierung, Angebot innovativer Finanzinstrumente, Unterstützung bei der Mobilisierung weiterer Ressourcen, Schaffung langfristiger, vertrauensvoller Partnerschaften, technische bzw. ökonomische Beratung oder Kapazitätsaufbau beim Investitionsempfänger und/oder Unterstützung des Investitionsempfängers beim Erreichen höherer betrieblicher Standards

[2] Der Schwerpunkt muss auf den wesentlichen gesellschaftlichen und umweltspezifischen Wirkungen der Investition liegen. Die in Grundsatz 4 ermittelten Wirkungen können auch positive ESG-Effekte der Investition umfassen.

[3] Übernommen vom Impact Management Project (www.impactmanagementproject.com).

[4] Beispiele für Branchenindikatorenstandards umfassen HIPSO (https://indicators.ifipartnership.org/about/), IRIS (iris.thegiin.org), GIIRS (http://b-analytics net/giirs-funds), GRI (www.globalreporting.org/Pages/default.aspx) und SASB (www.sasb.org).

[5] Best-Practice-Indikatoren sind u. a. SMART (Specific, Measurable, Attainable, Relevant, and Timely) und SPICED (Subjective, Participatory, Interpreted & communicable, Cross-checked, Empowering, and Diverse & disaggregated).

[6] Gutes ESG-Management hat u. U. positive Wirkungen, die möglicherweise den vom Manager angestrebten Primärwirkungen entsprechen. Die positiven Wirkungen in Zusammenhang mit ESG müssen direkt im oder zusätzlich zu dem in den Grundsätzen 4 und 6 beschriebenen Impact-Management-System gemessen und gesteuert werden

[7] Beispiele für anerkannte internationale branchenweite Verfahren sind: die Performance-Standards der IFC (www.ifc.org/performancestandards), die Corporate Governance-Methode der IFC (www.ifc.org/cgmethodology), die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (www.unglobalcompact.org/library/2) und die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (http://mneguidelines.oecd. org themes/human-rights.htm).

[8] Mögliche Maßnahmen umfassen die aktive Zusammenarbeit mit dem Investitionsempfänger, frühzeitige Veräußerung, die Anpassung von Indikatoren/Erwartungen aufgrund signifikanter, unvorhergesehener und geänderter Umstände sowie andere angemessene Maßnahmen zur Optimierung der erwarteten Wirkungsperformance des Portfolios.

[9] Bei den Ergebnissen handelt es sich um kurzfristige und langfristige Effekte der Outputs einer Investition. Die Outputs wiederum sind die Produktions- und Investitionsgüter und Dienstleistungen, die sich aus der Investition ergeben. Übernommen vom OECD-DAC (www.oecd.org/dac)

[10] Hierzu gehören beispielsweise Verbindlichkeiten, Eigenkapital und Anleihenverkäufe. Ausgeschlossen sind dagegen selbstliquidierende und fällig werdende Instrumente.

[11] Die unabhängige Prüfung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen, u. a. im Rahmen einer Buchprüfung, durch einen unabhängigen internen Ausschuss zur Wirkungseinschätzung oder durch eine Evaluierung der Portfolio-/Fonds-Performance. Die Häufigkeit und die Komplexität der Prüfung orientieren sich an deren Kosten, der relativen Größe des jeweiligen Fonds/der jeweiligen Einrichtung und der erforderlichen Vertraulichkeit.

INTERVIEW MIT FERNAND PILLONEL, VORSTANDSVORSITZENDER OXUS NETWORK

Das OXUS Network entstand aus Entwicklungsprogrammen der internationalen Nichtregierungsorganisation ACTED. Die Organisation nutzte Mikrofinanz als effizientes Instrument, um den Begünstigten zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung zu verhelfen. Im Jahr 2005 trennte ACTED seine Mikrofinanzaktivitäten von den Entwicklungs- und Hilfsprogrammen und gab damit den Anstoß zur Gründung des heutigen OXUS Network. Infolgedessen wurden zwischen 2005 und 2007 drei MFIs in Tadschikistan, Kirgisistan und Afghanistan gegründet. Invest in Visions vergibt Darlehen an die MFIs in Tadschikistan und Kirgisistan.

Wie schätzen Sie die derzeitige Situation in den Ländern des OXUS Networks (Tadschikistan, Kirgisistan und Afghanistan) im Vergleich zum Beginn der Pandemie vor mehr als anderthalb Jahren ein?

Heute ist die Lage in den drei Ländern relativ ruhig. Allerdings gibt es Befürchtungen hinsichtlich einer „vierten Welle“, die sich jedoch bis jetzt nicht bewahrheitet hat. Insgesamt sind die Corona-Einschränkungen in Zentralasien weniger streng als in Europa. Gleichzeitig sind die Kapazitäten des medizinischen Sektors begrenzt und die Regierungen können den von der Krise betroffenen Personen oder Unternehmen nur eingeschränkte finanzielle Unterstützung gewähren. Die Bevölkerung ist leider größtenteils auf sich selbst gestellt und verlässt sich auf informelle Solidaritätsnetze (Familien, Gemeinschaften). Die Verfügbarkeit von Impfstoffen ist begrenzt, was zu einer geringen Durchimpfungsrate in der Bevölkerung führt. Diese liegt in Kirgisistan bei 17 Prozent, in Tadschikistan bei 31 Prozent und in Afghanistan bei 11 Prozent.3 Afghanistan, das zwischen April und Mai 2020 von einer massiven Welle an Corona-Fällen heimgesucht wurde, sieht sich nun aufgrund von Dürreperioden und einem Zusammenbruch des Bankwesens sowie der Wirtschaftstätigkeit mit Ernährungsunsicherheit konfrontiert.

Fernand Pillonel

Wie haben sich die Maßnahmen der Bank während der Pandemie entwickelt, um auf die Herausforderungen zu reagieren?

Die drei OXUS-MFIs haben ihre Corona-Maßnahmen an die jeweilige Situation angepasst. Während der ersten Welle in Zentralasien (April 2020) ergriffen alle drei Mitgliedsorganisationen Sofortmaßnahmen zur Unterstützung ihrer Kund:innen und Mitarbeiter:innen. In Afghanistan, als die Preise für Masken auf dem Schwarzmarkt in die Höhe schossen, hat OXUS zusammen mit ACTED, unserem Anteilseigner, eine humanitäre Aktion ins Leben gerufen und innerhalb weniger Wochen 2,1 Millionen wiederverwendbare Masken hergestellt. Mehr als 700 afghanische Familien beteiligten sich an der Produktion. Da OXUS die Masken kostenlos in den Filialen verteilte, sank der Preis der Masken schnell. In Kirgisistan, wo zwischen März und Mai 2020 eine strenge Ausgangssperre galt, bot OXUS seinen Kund:innen eine dreimonatige tilgungsfreie Zeit für ihre Kredite an. Diese außergewöhnliche Maßnahme war dank der Unterstützung der Darlehensgeber von OXUS wie z. B. Invest in Visions möglich, die uns eine 7-monatige tilgungsfreie Zeit für alle Darlehensrückzahlungen gewährten. Heute ist die Zahl der Infektionen relativ gering. Dennoch halten die OXUS-MFIs die Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sowie das Tragen von Masken aufrecht. Zudem fördern und erleichtern sie die Impfung des Personals. Für den Fall, dass die Zahl der Corona-Fälle in den kommenden Monaten erheblich ansteigen sollte, hat OXUS einen Notfallplan mit verschiedenen Maßnahmen vorbereitet, der Kreditbeschränkungen für bestimmte Wirtschaftszweige (wie Kleinbusse, Friseur-/Kosmetiksalons usw.), die Möglichkeit von Home Office für bestimmte Funktionen sowie digitale Rückzahlungen und Kreditanträge umfasst.

Fernand Pillonel

Ihre Bank war einer der ersten Partner von Invest in Visions. Können Sie sich daran erinnern, wie die Beziehung begann und wie sie sich im Laufe der Jahre entwickelt hat?

Invest in Visions ist in der Tat ein langfristiger Partner von OXUS, mit dem ersten Besuch bei Oxus Tadschikistan (OTJ) im Februar 2012, gefolgt vom ersten Darlehen im April 2012. Die Unterstützung von Invest in Visions nahm stetig zu und erreichte drei Millionen US-Dollar im Jahr 2016, wodurch es zum größten Partner von OTJ wurde. Nach einer schweren Finanzkrise in Tadschikistan, die mit der Abwertung des russischen Rubels in den Jahren 2014-2015 zusammenhing, setzten die meisten internationalen Kreditgeber die gesamte neue Finanzierung für die Jahre 2015 und 2016 auf unbestimmte Zeit aus. Invest in Vision war der einzige Kreditgeber, der OTJ in dieser äußerst schwierigen Zeit mit neuen Mitteln unterstützte. Dadurch konnte OTJ seinen Betrieb und die Aktivitäten des Portfolios aufrechterhalten sowie in Abstimmung mit dem Anteilseigner von OXUS die Kreditwürdigkeit und die Rückzahlungsleistung der Organisation wahren. Diese Unterstützung ermöglichte es OTJ, das Vertrauen der anderen Kreditgeber zurückzugewinnen, die ihre Finanzierungsaktivitäten wieder aufnahmen. Dafür sind wir Invest in Visions sehr dankbar. Inzwischen hat OTJ seine Finanzierungsquellen diversifiziert, und Invest in Visions bleibt ein wichtiger Partner – seit 2017 auch in Kirgisistan.

Fernand Pillonel

Welche Perspektiven sehen Sie für die weitere Zusammenarbeit mit Invest in Visions?

Auf der Finanzierungsseite freuen wir uns auf die künftige Zusammenarbeit, um das Wachstum von OJT zu begleiten. Wir möchten auch in den kommenden Jahren in Kirgisistan wachsen, wofür zusätzliche Mittel erforderlich sein werden. Auch wenn die Rentabilitätsprofile der Oxus-Tochtergesellschaften nicht beeindruckend sind, haben wir uns hohe Ziele in Bezug auf die soziale Leistung, die Förderung des Unternehmertums von Frauen, den Kund:innenschutz und die Umweltverträglichkeit unserer Aktivitäten gesetzt. Damit haben wir die gleichen Ziele wie Invest in Visions. OXUS ist Teil der ACTED-Gruppe und in die „Triple Zero“-Strategie („Zero Poverty, Zero Emission, Zero Exclusion“) eingebunden, die im Einklang mit den SDGs darauf abzielt, die Kluft zwischen Armutsbekämpfung und Umweltschutz zu verringern. Viele dieser Initiativen könnten in Deutschland und Europa mit einem Partner wie Invest in Visions ausgebaut werden.

Fernand Pillonel

Sehr geehrter Herr Pillonel, wir danken Ihnen für das Gespräch.