Für die „Große Transformation“ – Sustainable Finance-Beirat veröffentlicht Abschlussbericht

Im Juni 2019 wurde der Sustainable Finance-Beirat als beratendes Gremium der Bundesregierung ins Leben gerufen. Nun hat er seinen Abschlussbericht vorgelegt. Impact Investing wird darin eine wesentliche Rolle bei der „Großen Transformation“ der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit zugewiesen. Regulatorische Hemmnisse, die den Publikumsvertrieb entsprechender Produkte in Deutschland bislang verhindern, sollen abgebaut werden – nach dem Vorbild von Mikrofinanz. 

Nach anderthalbjähriger Arbeit hat der Sustainable Finance-Beirat (SFB) seinen Abschlussbericht mit dem Titel „Shifting the Trillions. Ein nachhaltiges Finanzsystem für die Große Transformation“ vorgelegt.1

Der Titel ist Programm. „Shifting the Trillions“ bezieht sich auf die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals) und das 1,5 Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens, für deren Erfüllung billionenschwere Finanzierungslücken diagnostiziert wurdenIn diese Lücken sollen Finanzströme aus nicht-nachhaltigen Anlagen umgelenkt werden. Die „Große Transformation“ wiederum verweist (vermittelt über ein Hauptgutachten des WBGU aus dem Jahr 2011)2 auf das 1944 erschienene Werk „The Great Transformation“ von Karl Polanyi.3 Der ungarisch-österreichische Wirtschaftssoziologe entwarf darin die These einer „Große Transformation“ der Wirtschaft in ein System sich selbst regulierender Märkte seit dem 19. Jahrhundert. Durch diese Transformation sei die Wirtschaft aus den gesellschaftlichen Beziehungen, in die sie zuvor „eingebettet“ gewesen sei, herausgelöst worden – mit schwerwiegenden sozialen Folgen. 

Was erreicht werden soll, ist also strenggenommen weniger eine „Transformation“ als vielmehr – nimmt man den Verweis auf Polanyi ernst – eine Re-Transformierung“eine Rückführung der Wirtschaft in die Gesellschaft und ihre Harmonisierung mit sozialen und ökologischen Anforderungen, die in den vergangenen Jahrzehnten verlorengegangen ist und zu den gravierenden Problemen geführt hat, vor die sich die Weltgemeinschaft aktuell gestellt sieht. 

Gelingen soll die nachhaltige Umformung der Wirtschaft durch gezielte Rahmensetzungen, für die der SFB 31 Empfehlungen ausgearbeitet hat. Diese überspannen mehrere Handlungsgebiete. Große Bedeutung wird beispielsweise einer integrierten Unternehmensberichterstattung mit Transparenz und Vergleichbarkeit als Grundlage für nachhaltige Investitionsentscheidungen beigemessen. Zugleich sollen auch die Weichen für einen Ausbau des Angebots an nachhaltigkeitswirksamen Finanzproduktegestellt werden, die den wachsenden Bedarf der Anleger*Innen bedienenEine hervorgehobene Stellung kommt hierbei Impact-Produkten zu. 

Das Problem besteht bisher darin, dass derartige Produkte in Deutschland nicht zum Publikumsvertrieb zugelassen und daher nur für eine begrenzte Anlegerschaft zugänglich sind. Der SFB empfiehlt dabei die Orientierung an der bislang einzigen Ausnahme: Mikrofinanzfonds. In diese können gemäß § 222 Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) nämlich auch Privatanleger*Innen investieren. 

Als Impact Investor, der mit dem IIV-Mikrofinanzfonds vor 10 Jahren den ersten Fonds dieser Art aufgelegt hat, begrüßen wir diese Empfehlung nachdrücklich. Zusammen mit der ebenfalls durch den SFB nahegelegten Ausweitung von Blended Finance-Strukturen, die durch das Beisteuern öffentlichen Kapitals das Risiko für Privatanleger senken, kann die Anwendung von § 222 KAGB auf weitere Impact-Produkte dabei helfen, Impact Investing aus einer Nischenexistenz zu befreien und das volle Potential dieser Anlagestrategie für Umwelt und Gesellschaft zur Entfaltung zu bringen. 

Die Experten des SFB haben ein ambitioniertes Rahmenprogramm zur nachhaltigen Transformation der Wirtschaft vorgelegt. Die Politik sollte es so schnell wie möglich umsetzen. 

 

1 Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung. 2021. Shifting the Trillions. Ein nachhaltiges Finanzsystem für die Große Transformation: Publikationen – Sustainable Finance-Beirat (sustainable-finance-beirat.de) 

2 Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. 2011. Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation: Publikation | WBGU 

3 Karl Polanyi. 1978. The Great Transformation. Politische und ökonomische Ursprünge von Gesellschaften und Wirtschaftssystemen, Frankfurt am Main: Suhrkamp (engl. Originalausgabe 1944). 

 

02.03.2021

Autor: Moritz Isenmann

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